00#WORTE II

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Foto: Martin Neumann

„Als der Flieder blühte, …“
Text von Bernhard Richarz
Unsere Identität, unser Wollen, unser Trachten und Begehren, ist geprägt von dem, was wir erlebt haben. Unsere Vergangenheit begleitet uns, wohin wir uns bewegen. Auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Im Heute lenkt sie uns in die Zukunft. Wenn wir uns erinnern, können wir uns finden. In den Anfängen unseres Lebens. Und davor. Unserem Körper ist auch das eingeschrieben, was andere vor unserer Zeit erlebt haben. Unsere Identität ist geprägt von dem, was unsere Kultur aufgehoben hat. Ihre Vergangenheit begleitet uns, wohin wir uns bewegen. Auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Im Heute lenkt sie uns in die Zukunft.

Um zu erfahren, wer wir sind, brauchen wir die Anderen. Erst die Begegnung lässt uns erkennen, was unsere Identität ausmacht. All die Geschichten, die unsere Körper bewahren, werden wieder lebendig, wenn wir uns begegnen. Indem wir sie einander erzählen, beginnen unsere Erinnerungen zu fließen. Wir können uns finden. Die Empfindungen, die wir zueinander haben, verändern sich. Danach ist nie mehr so wie Davor – selbst dann nicht, wenn wir dasselbe wiederholen mögen. Wer will, kann spüren, wie die Zeit, die wir teilen, den Raum öffnet, der uns gemeinsam ist.

“Als der Flieder blühte,…” entstand aus einer Beschäftigung mit der Gegenwart der Nachkriegszeit in Berlin. Ihrem Einfluss auf uns. Es ging um das, was uns zu denen gemacht hat, die wir heute sind. Das Eigene zu finden, das Unverwechselbare. Und die Sehnsucht nach Begegnung. Das Erkennen im Anderen. In der anderen. Auch dann, wenn sie anders ist. Gerade weil er anders ist. Der Fall in den leeren Raum, das Wiederfinden der eigenen Geschichte.

»Ein Tanz ohne Narration, ohne Geschichte, ohne Vergangenheit. Ein Tanz, der in seiner Abstraktheit eigene Assoziationsräume öffnet. Eine Tanz, der nicht belehrt, der nichts will, sondern einlädt, sich dem Gesehenen gegenüber zu öffnen, sich berühren zu lassen, sich einzulassen auf eine Welt jenseits von Worten. Ein Tanz, behutsam choreographiert mit sparsamen Ausdrucksmitteln, der um so mehr in die Tiefe greift und ein nicht-intendiertes Begreifen des allzu menschlichen Suchens nach Nähe, nach Verbundenheit in den Raum stellt.«
Ulla Schorn, Tanz- und Gestalttherapeutin (BTD/FPI), Halprin Practitioner, Tamalpa Institut USA

KONZEPT & CHOREOGRAFIE | Evelyne Wohlfarter
PERFORMANCE | Alessandra Lola Agostini, Bernhard Richarz
MUSIK | Pjotr Ijitsch Tschaikowski
PRODUKTION | tanzfähig – Initiative für mehr körperliche Vielfalt im zeitgenössischen Tanz
DAUER | 26 Min.
www.tanzfaehig.com

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